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Tillmann Steinbrecher, CEO von Exocad, über die Zusammenarbeit von Zahnärzten und Zahntechnikern in der digitalen Welt und die passenden Tools dafür

ChairsideCAD ist speziell für die Bedürfnisse der Zahnarztpraxis konfiguriert und erleichtert auch die Kommunikation mit dem Dentallabor.

(c) Exocad

Zur Internationalen Dental-Schau Ende September 2021 in Köln stellten die Darmstädter Softwarespezialisten von Exocad neben anderen Neuerungen aus dem Galway-Release auch das Softwarepaket aus der Reihe speziell für Zahnärzte vor. „ChairsideCAD 3.0 Galway“ heißt die Softwarelösung, die auf die Anwendung durch Zahnärztinnen und Zahnärzte ausgerichtet ist. Tillmann Steinbrecher, Co-Gründer und Geschäftsführer von Exocad, erläutert im Interview mit Dr. Marion Marschall, Chefredakteurin Quintessence News, die Hintergründe.
 

Herr Steinbrecher, die Software von Exocad ist vor allem bei Zahntechnikern weltweit bekannt und geschätzt – nicht zuletzt wegen der vielen strategischen Partner, deren Maschinen und Werkstoffe über die Softwarelösungen für das Dentallabor zugänglich sind. Auch Zahnärzte haben die Softwareprodukte genutzt. Daneben gibt es mit ChairsideCAD eine eigene Lösung für Zahnärzte – warum?

Tillmann Steinbrecher ist CEO der Exocad GmbH
Tillmann Steinbrecher ist CEO der Exocad GmbH
Foto: Exocad
Tillmann Steinbrecher: Es stimmt, viele Zahnärztinnen und Zahnärzte haben schon unsere Laborsoftware „exocad DentalCAD“ gekauft, vor allem für das Praxislabor. Und auch die Implantatplanungssoftware „exoplan“ wird in vielen Praxen eingesetzt. Viele Praxen benötigen aber nicht den vollen Umfang an Indikationen und Features, den DentalCAD bietet. Ihnen geht es um die sogenannte Single Visit Dentistry, also Kronen, Inlays oder kleinere Brücken in nur einer Sitzung. Dafür ist DentalCAD eigentlich zu umfangreich, denn viele der Features, die DentalCAD bietet, werden nicht benötigt.

Deshalb haben wir für die Anwendungen und Workflows der Single Visit Dentistry mit ChairsideCAD eine speziell ausgerichtete Software entwickelt. Sie soll es der Praxis erlauben, passende Versorgungen in nur einer Sitzung schnell und sicher zu erledigen. Da ChairsideCAD auf der gleichen Plattform basiert wie DentalCAD, sind alle Anwendungen, Module und Workflows erprobt und auch der Austausch der Daten funktioniert nahtlos für eine optimale Zusammenarbeit von Praxis und Labor.
 

Zahntechniker nicht nur in Deutschland reagieren mitunter empfindlich, wenn Unternehmen, die bislang vorwiegend auf Labore ausgerichtet waren, nun auch Software und Maschinen für die Zahnarztpraxis anbieten. Oft befürchten sie, dass die Wertschöpfung an ihnen vorbei gehen soll, die Praxis Zahnersatz, Schienen, Provisorien etc. direkt in der Praxis herstellt und die Aufträge nicht mehr ans Labor gehen. Wie positioniert sich Exocad hier?

Steinbrecher: Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten besser zu versorgen und ihre Wünsche und Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen. Das ist das große Ziel für uns alle. Wenn ein Patient eine Restauration in nur einem Termin möchte, die also in der Praxis gefertigt wird, dann möchten wir auch dabei Zahntechniker und Zahnärzte bestmöglich in ihrer Arbeit unterstützen.

Es geht hier nicht um Kostenersparnis – ein Labor wird die gleiche Restauration in der Regel günstiger produzieren können als eine Zahnarztpraxis –, sondern darum, die beste Erfahrung für den Patienten anbieten zu können. Dies kann über eine Zusammenarbeit zwischen Labor und Zahnarzt erfolgen, wo das Labor das Design vornimmt, oder über einen CAD/CAM-Workflow komplett in der Praxis.

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Zahnarztpraxen durch Intraoralscanner wollen und können immer mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte diese Scandaten auch direkt selbst nutzen. ChairsideCAD hilft ihnen dabei – und weil sie auf der gleichen Plattform beruht wie DentalCAD, ist das auch für das Dentallabor von Vorteil. Das Labor kann die Daten bequem weiterverarbeiten und sich mit der Praxis sicher austauschen – dafür gibt es die Plattform „dentalshare“ von Exocad, die den multidirektionalen digitalen Datenaustausch zwischen Zahnärzten, Zahntechnikern und Fräszentren abdeckt. Die Zahntechniker können die Praxis beraten und unterstützen.

Nach unserer Erfahrung führt das regelmäßig dazu, dass das Labor mehr Arbeiten aus der Praxis bekommt, die Zusammenarbeit enger und besser wird. Denn oft ziehen die Zahnärzte dann die Zahntechniker zu Rate, weil diese in der digitalen Welt mehr zuhause sind. Die Arbeiten, die ein Zahnarzt dann möglicherweise selbst in der Praxis machen möchte, wären in vielen Fällen ohnehin nicht ans Labor gegangen. So wird zum Beispiel statt einer Kompositfüllung dem Patienten ein Keramikinlay angeboten. Das hat keinen Nachteil für das Labor.
 

Mit ChairsideCAD lassen sich In der Praxis zu fertigende Arbeiten schnell und einfach gestalten.
Mit ChairsideCAD lassen sich In der Praxis zu fertigende Arbeiten schnell und einfach gestalten.
Foto: Exocad

 

Was kann ChairsideCAD in der Praxis? Wie umfangreich ist dieses Softwarepaket ausgerichtet?

Steinbrecher: Grundsätzlich ist ChairsideCAD weniger komplex als DentalCAD, stärker automatisiert, und auf die Anwendungen und Arbeiten ausgerichtet, die Zahnärztinnen und Zahnärzte überwiegend in der Praxis benötigen. Zahnärztinnen und Zahnärzte können sich bei unseren strategischen Partnern informieren, welche Lösung für sie die beste ist. Die Partner sind alle auf unserer Website zu finden und helfen gerne bei Fragen weiter. Unser „CAD Configurator*, der auch auf unserer Website zu finden ist, unterstützt Zahnärztinnen und Zahnärzte ebenfalls dabei, das passende Exocad-Softwarepaket für die individuellen Bedürfnisse ihrer Praxis zusammenzustellen.
 

Und was sollte eine Zahnärztin, ein Zahnarzt mitbringen, um die Software für sich gewinnbringend einzusetzen? Welches Schulungsangebot, welchen Support gibt es für sie?

Updates und Zusatzmodule bietet der neue Webshop.
Updates und Zusatzmodule bietet der neue Webshop.
Foto: Exocad
Steinbrecher: Am Anfang sollte man die Bereitschaft mitbringen, sich mit neuer Technologie auseinandersetzen zu wollen. Der beste Weg hierbei sind die Schulungen unserer strategischen Vertriebspartner und Systemanbieter. Sie bieten in der Regel schon Schulungen und Support vor dem Kauf an. Wir als Unternehmen bieten zudem zahlreiche und kostenlose Videos, Tipps und Anwenderhinweise, zum Beispiel auf unserem YouTube-Kanal. Neu ist der exoBlog, wo Anwender bestimmte Themen vorstellen und wertvolle Informationen und Tipps teilen.

Ebenfalls neu ist unser Webshop. Dort können Anwender, die bereits lizenzierte Software von uns haben, Upgrades und Zusatzmodule finden.
 

Der Fokus liegt also auf der gemeinsamen Arbeit von Zahnarzt und Zahntechniker an der besten Lösung für den individuellen Fall. Ist ChairsideCAD dann auch so etwas wie eine Textverarbeitung oder ein Bearbeitungstool für Dokumente – so können beide die Vorschläge des anderen lesen und bearbeiten? Zum Beispiel eine Planung für einen Implantatfall mit Bohrschablone und direkt eingesetzter Interimsversorgung oder eine komplexe ästhetische Rekonstruktion?

Steinbrecher: Das ist ein guter Vergleich. Diese Möglichkeiten bietet ChairsideCAD für die Zusammenarbeit mit dem Labor. Über Dentalshare können Praxis und Labor dann im Workflow die einzelnen Planungsschritte, Modelle, Änderungen, Freigaben etc. bearbeiten. Beide sehen, wie die Ausgangslage ist und das Ziel sein soll. Es muss nichts konvertiert werden, auch die Werkzeuge etc. sind gleich, alle Informationen sind für beide verfügbar. Und die Änderungen sind direkt zu erkennen. Das gibt viel Freiheit im Workflow.
 

Nicht in allen Ländern, in denen Exocad seine Produkte direkt oder über Partner anbietet, gibt es eine so ausgeprägte Struktur von Dentallaboren und umfangreich ausgebildete Zahntechniker. Da wird der Zahnersatz – gerade mit den neuen Fertigungsmöglichkeiten wie Schleifen, Fräsen, Sintern und Drucken – direkt vom Zahnarzt in der Praxis erstellt. Ist das auch ein Einsatzgebiet von ChairsideCAD?

Steinbrecher: Ja, das ist ein Einsatzgebiet, denn international sind die Anforderungen und Wünsche der Zahnarztpraxen sehr unterschiedlich. In Lateinamerika zum Beispiel können Zahnärzte oft leichter in Software investieren als die Zahntechniker. Sie stellen dann den Technikern diese Lösungen zur Verfügung.

Es gibt international einen hohen Bedarf für unsere Lösungen. Unsere Softwareprodukte werden über unsere Vertriebspartner in 150 Ländern angeboten, und diese greifen die Bedürfnisse in den jeweiligen Märkten auf. Durch die Beziehungen, die wir zu unseren Kunden und strategischen Partnern pflegen, erfahren wir aus erster Hand, wie unterschiedlich die Nachfrage sein kann. In den USA ist die Nachfrage nach Chairside-Lösungen traditionell höher als in Europa. Dort gibt es eine sehr schnelle Adaptation zum Beispiel beim 3-D-Druck, auch für dauerhafte Versorgungen. Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie die Dentallabore in Deutschland setzen Materialien und Verfahren meist erst ein, wenn sie klinisch entsprechend bewährt sind.
 

Die Laborsoftware-Produkte Ihres Unternehmens laufen ja bei vielen Anbietern von Fertigungsmaschinen für die Zahntechnik, die Ihre Partner sind. Wird auch ChairsideCAD für die Partner auf ihre Produkte adaptiert werden?

Steinbrecher: Ja, das ist bereits erfolgt. So hat Amann Girrbach zur Internationalen Dental-Schau im September 2021 sein System für die Zahnarztpraxen und für die Anbindung ans Labor vorgestellt, Ceramill DRS (Direct Restoration Solution). Aber das hängt auch vom Fokus unserer Partner ab – einige richten sich nur an Zahntechniker, andere nur an Zahnärzte, einige bedienen beide Gruppen. Vor allem die großen Anbieter von Scan- und Fertigungstechnik richten sich auf beide Zielgruppen aus.
 

Das Galway-Release ist zuletzt für die Software gelauncht worden – was erwartet die Zahnärzte, aber auch die Zahntechniker als nächstes bei Exocad?

Steinbrecher: Nach dem Release ist vor dem nächsten Release. Wir arbeiten daran, Kieferorthopädie und restaurative Zahnheilkunde enger zu verzahnen. Dabei ist unser Ziel, die Zahntechniker so weit wie möglich in die Behandlungsplanungen einzubinden. Die Zukunftsvision ist ein integrierter, ortho-restaurativer Workflow, um Patienten besser und minimalinvasiver versorgen zu können.

Und es gibt die schon lange bekannten Themen für die CAD/CAM-Fertigung: die Totalprothetik und der Modellguss. Beides sind gerade in Deutschland nicht so gut honorierte zahntechnische Arbeiten, die aber zugleich fachlich anspruchsvoll und zeitaufwendig sind. Lassen sich hier Arbeitsschritte vereinfachen, bedeutet das für Praxis und Labor echte Vorteile – und für den Patienten zum Beispiel weniger Termine bis zur fertigen Prothetik. Aber das ist nicht trivial, denn die Ergebnisse aus der CAD/CAM-Lösung müssen natürlich auch die Qualitätsansprüche der Anwender erfüllen. Gerade in Deutschland ist das eine besonders hohe Messlatte.

Zudem geht es um die Weiterentwicklung der 3-D-Drucktechnik und deren Abbildung in der Software. Viele dieser Entwicklungen greifen ineinander.

Ein sehr wichtiges Thema ist die noch bessere Vernetzung der Partner Praxis und Labor, das wir bereits durch unsere Plattform Dentalshare ermöglichen. Schließlich werden auch Entwicklungen wie Cloud Computing für die Zahnmedizin interessanter.

Einen Einblick in die praktische Zusammenarbeit von Zahnarztpraxis und Dentallabor über Dentalshare gibt der Beitrag „Eine Kommunikationsplattform verbindet uns alle“ aus der Reihe „Exocad Tipps und Tricks“ auf Quintessence News.

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