0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
20350 Aufrufe

Leipziger Forscher konnten prognostische Faktoren für ungünstigen Verlauf von Rachenkrebs bestimmen

Aktuell fokussiert sich der Blick auf die Infektion mit SARS-CoV-2 und die Lungenerkrankung Covid-19. Andere viral bedingte Erkrankungen, die eine seit mehreren Jahren weltweite Pandemie ausgelöst haben, sind dadurch weniger im Fokus. Dazu zählt der von humanen Papillomviren (HPV) verursachte Rachenkrebs. In einer Studie der Leipziger Universitätsmedizin haben Forscher untersucht, welche Faktoren einen ungünstigen Verlauf bei Patienten mit sogenannten HPV-assoziierten Oropharynxkarzinomen prognostizieren. Die Ergebnisse sind aktuell im Fachjournal Cancer erschienen.

Weniger Kopf-Hals-Tumore, mehr Oropharynxkarzinome

Es handelt sich bei durch HPV verursachtem Rachenkrebs um Oropharynxkarzinome, um eine von den Tonsillen (Mandeln) ausgehende Tumorerkrankung, die oftmals Jahrzehnte nach der Infektion mit HPV auftritt. Die ursächlichen Viren sind die gleichen HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome verursachen. Die von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) gleichermaßen für Mädchen und Jungen empfohlene HPV-Impfung sollte daher auch die Häufigkeit HPV-assoziierter Oropharynxkarzinome bei Männern und Frauen vermindern helfen.

Aktuell ist gegenläufig zur abnehmenden Häufigkeit anderer Kopf-Hals-Karzinome weltweit ein Anstieg der Häufigkeit von Oropharynxkarzinomen zu verzeichnen. Als Ursache dieser Pandemie wird die sexuelle Übertragung von HPV angesehen. Die Häufigkeit HPV-assoziierter Karzinome steigt jährlich um 2,1 Prozent, während nicht-HPV-assoziierte, also durch Rauchen, Alkohol und berufliche Belastung verursachte Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region eine um 0,4 Prozent pro Jahr fallende Inzidenz zeigen.

Viele Patienten erleiden Rückfall

Zu HPV-assoziierten Oropharynxkarzinomen forschen Ärzte und Naturwissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig schon seit mehreren Jahren. Innerhalb der Krebserkrankungen der Kopf-Hals-Region gelten die HPV-assoziierten Oropharynxkarzinome als eine Untergruppe, die gut auf moderne Therapien ansprechen. Sie haben auch eine bessere Prognose hinsichtlich des Überlebens der Tumorerkrankung. Handelt es sich um einen durch HPV verursachten Tumor, wird das Protein p16 vermehrt produziert. Das Vorhandensein von HPV wird in Gewebeschnitten des Tumors nur anhand dieses Markers bestimmt. „Unklar war bisher, warum eine allgemein bessere Prognose nicht für alle Patienten mit p16-positivem Oropharynxkarzinom gilt. Denn viele Patienten erleiden trotz vollständiger Entfernung des Tumors und betroffener Lymphknoten und nachfolgender Strahlentherapie einen Rückfall“, sagt Prof. Dr. Andreas Dietz, Professor für HNO-Heilkunde an der Universität Leipzig.

Originalpublikation:
Freitag J , Wald T, Kuhnt T, Gradistanac T, Kolb M, Dietz A, Wiegand S, Wichmann G. Extracapsular extension of neck nodes and absence of human papillomavirus 16-DNA are predictors of impaired survival in p16-positive oropharyngeal squamous cell carcinoma. Cancer 2020 May 1; 126(9): 1856-1872. DOI: 10.1002/cncr.32667 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32032442


In der kürzlich erschienenen Kohortenstudie untersuchten die Wissenschaftler der HNO-Universitätsklinik Leipzig primär chirurgisch behandelte Patienten mit fortgeschrittenen p16-positiven Oropharynxkarzinomen mit Lymphknotenmetastasen. „Dabei haben wir die prognostischen Faktoren umfassend analysiert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige prognostische Faktoren einen schlechteren Verlauf hinsichtlich der Wiederkehr der Krebserkrankung bedingen. Eine schlechtere Prognose haben Patienten mit p16-positiven Oropharynxkarzinomen, deren Lymphknotenmetastasen eine durch das Tumorwachstum zerstörte Kapsel aufwiesen, und diejenigen, bei denen der Subtyp HPV16 nicht nachgewiesen wurde“, sagt Dr. Gunnar Wichmann, Laborleiter des HNO-Forschungslabors. Diese Arbeit zeige die Notwendigkeit auf, für eine korrekte Prognose sowohl die pathologische Untersuchung der Lymphknotenmetastasen auf Kapseldurchbruch wie auch den Nachweis von HPV16 einzubeziehen. Der Nachweis von p16-Positivität allein dürfe keinen Anlass zu einer veränderten Therapie geben.

Titelbild: Tatiana Shepeleva/shutterstock.com

 

Quelle: Uni Leipzig Bunte Welt Nachrichten Chirurgie

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
4. Apr. 2025

Statt Bakterium das Toxin hemmen

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung geht neue Wege im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen
4. Apr. 2025

Oral-B verlost Tour durch das Forschungszentrum in Kronberg

Exklusive Einblicke gewinnen: Direkter Austausch mit den Expertinnen und Experten hinter den Kulissen
3. Apr. 2025

Mit Achtsamkeit aus der Stressfalle

FAU-Forschende untersuchen, was unsere Psyche damit zu tun hat, wenn herausfordernde Erlebnisse krank machen
2. Apr. 2025

Menschen helfen und vom Austausch mit jungen Kolleginnen und Kollegen profitieren

Hinter den Kulissen des Karibik-Traums: Famulatur auf der Sehnsuchts-Insel Jamaika
2. Apr. 2025

Zeitdruck und Gereiztheit bei der Arbeit nehmen zu

DGUV Barometer Arbeitswelt zu den aktuellen Trends für Sicherheit und Gesundheit im Beruf
1. Apr. 2025

Drei Wege führen zum Skelett

Aktuelle Studie der Universität Basel analysiert Genregulation der Knorpel- und Knochenentwicklung
31. März 2025

Die braucht kein Kind

Stiftung Warentest untersucht Nahrungsergänzungsmittel für Kinder
25. März 2025

Recht haben und Recht bekommen

Die zwei Paar Schuhe des Rechts am Beispiel des Anspruchs auf ein Arbeitszeugnis